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Nacktgespräch 24.08.2018

Body and Freedom 2018 Naked Talks

Nacktgespräch | Naked Talk

Nacktperformance im öffentlichen Stadtraum – Freiheit, Vision, künstlerische Forschung? | Naked performing in urban spaces – freedom, vision, artistic research?

24.8., 20.00-ca. 21.30, Zentrum Karl der Grosse, Saal

Das zweite Nacktgespräch fragt: Warum Nacktperformance im öffentlichen Raum?

In Theater, Tanz und Performance hat der nackte Körper seit dem frühen 20. Jahrhundert seinen Platz erobert. Den Rahmen dafür bieten als Kunstorte definierte Räume – sei es die Theaterbühne, ein Museum oder eine Galerie. Ausserhalb solcher Rahmungen, im öffentlichen, belebten Stadtraum stösst er auf gesellschaftliche und gesetzgeberische Widerstände. Die Möglichkeiten, hier mit dem realen nackten, sich bewegenden Körper künstlerisch zu arbeiten, sind nach wie vor begrenzt. Das Interesse daran ist dagegen aktuell. Das Body and Freedom Festival stösst bei Künstlerlinnen und Künstlern international auf grosses Interesse. Welches sind ihre Motivationen? Was treibt sie an? Wohin zielen die gesellschaftliche Visionen?

Ausgehend von persönlichen Zielen und dem genauen Blick auf die konkreten Performances draussen geht dieses Nacktgespräch noch einen Schritt weiter und fragt kritisch nach, wo der Handlungsspielraum von Nacktperformance im öffentlichen Raum –jenseits von Klamauk und Sensationslüsternheit – tatsächlich liegt. Ein nackt performender Künstler ist, anders als ein Abbild, immer auch ein soziales, empfindendes und sterbliches Wesen. Das schafft eine komplexe, ungewohnte und verunsichernde Situation, und beeinflusst Wahrnehmung und Rezeption. Gesellschaftliche Normen, Hierarchien und Ordnungsmuster werden deutlicher erkennbar und erscheinen potenziell als veränderbar. Kann es dem Format Nacktperformance gelingen, sich Welt, konkret den öffentlichen Stadtraum, handelnd anzueignen und ihn zu verändern? Kann es gelingen, ein eigenes Körperbild zu entwerfen und die soziale Formung eines Körpers, etwa als „behindert“, „alt“, „fett“ zu hintertreiben? Oder bleibt Nacktperformance im Gegenteil der ‚Gesellschaft’ (und der ‚Geschichte’) unterworfen – unterworfen namentlich der (medialen) Schau-Lust und deren Bedürfnisse bedienend?

The second Naked Talk asks straight out: Why naked performance in public space?

Starting in the early 20th century the naked body has found it’s way in theatre, dance and performance art, framed by locations defined as art spaces like galeries, stages, museums. Outside this context, in public space, the naked body encounters socially and legally bolstered resistance. Possibilities for publicly working with the naked, moving body still remain constrained. In contrast the interest among artists is widely awake. The Body and Freedom Festival attracts considerable attention. What are their motivations? What is driving them? Which visions do they pursue?

On the background of personal aims and a precise look at the performance experience outside this Naked Talk inquires into the actually existing freedom of action for naked performance in public – beyond fuss and sensationalism. A naked performing artist is, other than his mere image, also a social, feeling and mortal beeing. Therefore he creates complex, unusual and unsettling situations influencing perception and reception. Rules, hierarchies and social order become recognisable and in the same time appear modifiable.

Does Naked Performance provide a successful format to appropriate and change the world, that is public space, by acting? Is it possible to create an image of the body subverting social ascription as e.g. „disabled“, „old“ or „fat“? Or does naked performance remain subordinated to ‚society‘ and ‚history‘ – serving medial curiosity and voyeurism?

Mit/With
Giaco Schiesser, Kultur- und Medientheoretiker, Zürcher Hochschule der Künste (ZhdK), mit einem Beitrag aus kunstanalytischer und philosophischer Perspektive auf die Ästhetiken von Produktions- und Rezeptionsweisen sowie auf die Subjekttheorie.
Julischka Stengele, Performancekünstlerin, Wien
Thomas Zollinger, Künstler und Kurator Body and Freedom Festival, Biel/Bienne
Pascale Grau, Künstlerin, Basel (Oeil extérieur)

Inputs und Diskussion in deutscher und/oder englischer Sprache
Inputs and discussions in german and/or english

Moderation: Beatrice Schumacher

Eintritt / Entrance Fee: CHF 15 (reduziert/reduced), 25 (fair), 50 (Gönner, Supporters)